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erstellt: 4.10.2004 aktualisiert: 4.10.2004
Peco Code 55 ist sicherlich das optisch ansprechendste N-Gleissystem von der Stange mit (scheinbar) niedriger Profilhöhe und schlanken Weichengeometrien. Allerdings hat Peco es versäumt, solche Pluspunkte auch bei den Weichenantrieben einzubauen. Auf der Suche nach Alternativen stößt man unweigerlich auf die motorischen Antriebe von Fulgurex, Hoffmann und MBTronik. Persönlich habe ich mich für den „Flüsterantrieb“ von MBTronik entschieden. Die unten beschriebenen Basteleien sollten sich aber auch auf andere Antriebe übertragen lassen.
Ein beliebtes Problem ist, dass unter der Weiche für den Antrieb nur wenig Platz ist. Nicht immer kann man sich den erforderlichen Raum verschaffen. Von einem Modellbahnkollegen habe ich den Tipp bekommen, Weichenposition und Antrieb mit Hilfe eines Bowdenzuges (Fahrradbremszug) räumlich voneinander zu trennen.. Seine Vorgehensweise habe ich - leicht abgewandelt - auf den Flüsterantrieb übertragen. Damit lassen sich dann auch zwei (oder auch mehr?) Weichen, deren Stellung voneinander abhängt, einfach mit nur einem Antrieb schalten.
Das Prinzip der Weichenstellung ist relativ einfach. Die Bewegung der Servos wird durch den Bowdenzugdraht auf den Stelldraht übertragen. Die Führung erfolgt durch die Kunststoffhülle des Bowdenzuges. Zur Befestigung klebe ich diese Kunststoffhülle einfach in Holzleisten mit passenden Bohrlöchern ein. Nur im Bereich unter der Stellschwelle wird die Hülle ausgespart. Ein Stück Messingrohr als Stelldraht überträgt die Bewegung des Bremszuges auf die Stellschwelle durch ein Loch in der Trasse. Die Verbindung zwischen dem Messingrohr und dem Bowdenzugdraht erfolgt mit Hilfe der metallischen "Innerei" einer kleinen Lüsterklemme: das Messingrohr wird daran angelötet und der Bremszugdraht mit der Schraube fixiert. Zur Verbindung mit dem Servohebel forme ich aus Federstahldraht einen passendern Haken (im weitesten Sinne) und nehme auch hier wieder das Innenleben einer Lüsterklemme zum Verbinden und Justieren mit dem Bremszugdraht. Das geschilderte Prinzip funktioniert sehr gut bei einzelnen Weichen.
Probleme können allerdings Weichenpaare mit polarisierbaren Herzstücken bereiten. Bei diesen Weichen (z.B. Peco Code 55 electrofrog) ist das Herzstück samt Zungenbereich komplett leitend meiteinander verbunden. In der Zeichnung ist sind das die grün gezeichneten Schienen. Der Vorteil ist eine bessere Stromversorgung der Fahrzeuge beim Überfahren der Weichen, da das Herzstück keine Kunststoffspitze besitzt. Dafür muss dann allerdings die Polarität des grünen Bereiches in Abhängigkeit von der Weichenstellung umgepolt werden. Dies kann - jedenfalls theoretisch - über die Weichenzungen erfolgen, die an der jeweiligen Backenschiene elektrischen Kontakt haben (sollten). Das System besitzt allerdings 2 Schwachstellen: der Übergänge Backenschiene/Zunge und der Drehpunkt der Zungen sind Störstellen. Daher ist eine separate Spannungseinspeisung am Herzstück sinnvoll. Der Flüsterantrieb besitzt dazu 2 Relais. Mit jedem dieser Relais wird ein Pol der Spannungsversorgung an- bzw. ausgeschaltet. Beim Umlegen der Weichen schaltet zuerst das erste Relais aus und das Herzstück wird potentialfrei. Erst nachdem die Stellschwelle bewegt worden ist, wird das andere Potential mit dem zweiten Relais an das Herzstück angelegt. Der Aufwand dient dazu, Kurzschlüsse beim Umlegen der Weiche zu vermeiden, da ja auch noch eine Spannungsversorgung über die Zungen erfolgt.

Spannungsversorgung von polarisierbaren Weichen (rot und blau: Backenschienen mit festen Anschlüssen; grün: Herzstückbereich mit variabler Polarität.
Werden jetzt mit einem Antrieb mehrere Weichen mit polarisierbaren Herzstücken, wie oben beschrieben, geschaltet, so geht das ohne Probleme, wenn die Herzstücke gleiche Polarität haben. Hier erfolgt der Anschluß an die Standardrelais auf der Steuerplatine. Bei entgegengesetzter Polarität reicht jedoch die Kontaktzahl der vorhandenen Relais auf der Platine (jeweils 1x Um) nicht aus. Ich habe sie daher einfach auf einer separaten Platine durch zwei neue Relais (6 V, 2 x Um, 3 A) ersetzt und kann somit beide Herzstücke mit der jeweiligen Spannung versorgen. Auf der Steuerplatine wurden dazu die vorhandenen Relais entfernt und deren Ansteueranschlüsse direkt zum Schalten der neuen Relais herausgeführt.
Der Aufwand ist natürlich nur dann erforderlich, denn man Weichentypen verwendet, deren Herzstück separat mit Spannung versorgt werden muss.
Mein persönliches Fazit:
- Die "Bowdenzugmethode" gestattet eine sehr variable Anordnung von Weiche und Antrieb.
- Mehrere Weichen können gekoppelt geschaltet werden
- Mit finanziellen Einsparungen braucht man allerdings nicht rechnen, wenn man noch eine separate Relaisplatine fertigen muss.
- Dafür ist der Bastelspass aber garantiert und das ist für mich die Hauptsache :-).
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