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erstellt: 18.11.2000 aktualisiert: 19.11.2000
... ein veralteter Werkstoff?
Selbst in meiner Schulzeit habe ich im Werkunterricht nicht mit Pappmaché gearbeitet und ich gehe inzwischen stramm auf die 40 zu. Also ein Werkstoff, der veraltet ist und für den es modernere und bessere Alternativen gibt: modernere ja, aber bessere nein. Wie alle Werkstoffe besitzt Pappmaché Vor- und Nachteile. Sein geringes Gewicht spricht für eine häufige Verwendung. Es kann sehr gut und auch über mehrere Stunden mit den Händen geformt werden. Glatte Oberflächen oder Felsstrukturen sind allerdings nur sehr schwer zu modellieren.
Wie macht man Pappmaché?
Pappmaché wird aus Zellulosefasern (Zeitungspapier), Bindemitteln (Leim, Tapetenkleister) und Füllstoffen (feines Sägemehl) hergestellt. Wer eine Vorschrift zum Selbermachen sucht, findet sie in der Eisenbahn Journal, Reihe 1x1 des Anlagenbaus, Band III. Ich habe es probiert und kann sagen, dass es funktioniert. Allerdings erhält man sehr große Mengen, die man als Einzelperson kaum verbrauchen kann. Die Herstellung sollte unbedingt in einem Raum stattfinden, zu dem die Hausfrau keinen Zugang hat oder der Haussegen hängt zu Recht schief. Es kann sehr schnell in eine Panscherei ausarten. Alternativ kann man auf Fertigmischungen diverser Hersteller zurückgreifen, denen nur noch Wasser zugesetzt werden muss. Nach dem Durchkneten und Quellen kann es dann direkt losgehen. Wenn der Farbton (grün, braun oder grau) geändert werden soll, kann man etwas handelsübliche Abtönfarbe zusetzen. Der Werkstoff lässt sich auch über einen längeren Zeitraum in einem verschlossenen Gefäß (wasserdampfdicht) sehr gut lagern, ggf. fügt man etwas Wasser zu.
Einsatz auf der Anlage
Dieser Werkstoff zeichnet sich durch ein sehr geringes Gewicht aus. 1 Liter wiegt etwa 250 g. Im Gegensatz zu Gips sind auch größere Mengen, insbesondere bei Modulanlagen, tolerierbar. Man entnimmt seinem Vorrat eine Portion und knetet sie noch einmal kurz durch. Dadurch wird das Material geschmeidiger. Anschließend kann es direkt auf dem Gipsbinden/Fliegengitter- oder dem Styroporuntergrund verteilt werden. Stark saugende Untergründe sollte man mit der Blumenspritze leicht befeuchten. Die Verarbeitung erfolgt am besten mit den Händen (das macht sogar noch Spaß und weckt das Kind im Manne). Feine Strukturen können mit Modellierwerkzeug herausgearbeitet werden. Die Schichtdicke sollte 2 bis 3 cm pro Arbeitsgang nicht überschreiten, da Pappmaché sonst ungleichmäßig trocknet und sich Risse bilden können. Mehrere Stunden lässt sich Pappmaché bearbeiten. Ggf. muss die Blumenspritze ihren Dienst tun. Eine längere Pause kann man durch Abdecken mit feuchten Tüchern überbrücken. Die Durchtrocknung hängt von der Schichtdicke und der Temperatur ab. Sie kann mehrere Tage dauern.
Ich setze Pappmaché in Bereichen ein, wo ein leicht unebenes Gelände herausgearbeitet werden soll: Hügel, Wälder, Wiesen, Feldwege u.ä.. Für glatte oder stark strukturierte Flächen (Straßen, Felsen) kann es nur zur Grobmodellierung eingesetzt werden. Streumaterial kann direkt mit Holzleim auf dem Material aufgebracht werden (ggf. mit Abtönfarbe den Untergrund passend einfärben). Zur weiteren Modellierung können auch div. Spachtelmassen oder Sandspachtel aufgebracht werden.
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Modellbahnhändler
Ein weiterer Vorteil von Pappmaché ist, dass es nicht giftig ist. Risiken bestehen also nicht. Als meine dreijährige Tochter mich jedoch beim Basteln erwischte, kam es zu unerwarteten Nebenwirkungen: der Bestand an Zubehörartikeln für ihre Küche und ihren Kaufmannsladen stieg enorm an: Bananen, Spiegeleier, Erbsen, Oliven, Käsescheiben u.v.m. wurden aus Pappmaché geformt und von ihr mit Wasserfarben angemalt. Auch ein schöner Sonntagnachmittag.
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