Schwungmasse bei Loks im Digitalbetrieb sinnvoll ?

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LAG-Isartalbahn
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Schwungmasse bei Loks im Digitalbetrieb sinnvoll ?

Beitrag von LAG-Isartalbahn » 29 Sep 2019, 15:18

Hallo Leute,

bei der Wartung einiger alten Loks, kam mir die Idee sie Motormäßig aufzurüsten.
Bei der Suche nach Umrüst möglichkeiten, viel mir auf daß für verschiedene Modelle ein Motor (Glockenanker) mit und ohne Schwungmasse
angeboten wird.

Nun meine Frage:

Bei analog Betrieb sehe ich den Sinn der Schwungmasse darin daß bei schneller Reduzierung der Fahrspannung die Lok langsam zum Stillstand
kommt da die Schwungmasse durch Ihre Energie das Modell weiter antreibt.

Bei digital Betrieb wird das "langsame" Abbremsen durch die Einstellung deß Decoders bestimmt, also kann ich hier auf die Schwungmasse
verzichten ?

Habe ich einen Denkfehler ??

Ich will meine Loks die nächsten Jahre auf Digital umstellen und evtl. verbessern.

Vielen Dank im vorraus für eure Hilfe.

Schöne Grüße

Eduard

MHAG
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Re: Schwungmasse bei Loks im Digitalbetrieb sinnvoll ?

Beitrag von MHAG » 29 Sep 2019, 19:30

Hallo Eduard!

Zuerst mal meine Meinung (als überzeugter Analogi :roll: ):
Elektronik kann mechanische Mängel nur glätten, nicht beseitigen.

Aus dem Grund finde ich es wichtig, dass eine Lok erstmal analog gut laufen sollte, bevor man sie mit (Digital-)Elektronik pimpt. Insofern ist da ein Glockenankermotor mit Schwungmasse sicher eine gute Wahl. Besonders durch das fehlende Rastmoment bei Glockenankermotoren wirkt sich das recht positiv aus.
Dass eine Schwungmasse für langsames Beschleunigen oder Abbremsen sorgt, ist bei unserem Maßstab schon von der Physik her kaum möglich; denn eine Schwungmasse muss vom Durchmesser her groß sein, um eine vernünftige Wirkung zu haben (die Länge bringt´s da ausnahmsweise mal nicht so :P ). Leider bietet unser Maßstab aber nicht so viel Platz in der Breite... :|
Was eine Schwungmasse aber kann: Sie kann dem Triebfahrzeug über kurze Unterbrechungen (Schnitte, Dreck, Herzstücke) helfen, was sowohl analog wie auch digital schon mal gut ist. Besonders bei Digitalfahrzeugen bringt sie einen weiteren Vorteil zusammen mit einem Speicherkondensator: der Prozessor "bleibt im Betrieb" (durch den Kondensator) und der Motor dreht noch über die Unterbrechung drüber (wegen der Schwungmasse)
:arrow: kein Wiederanlaufen des Prozessors und auch keine Soundunterbrechung (falls vorhanden).

Deshalb hast Du da keinen Denkfehler :lol: , Du bist nur der "Digitalen Werbung" aufgesessen, nach der "mit digital alles besser" ist ;) .
Eine Verbesserung der Mechanik (Motor mit Schwungmasse) schadet also keinesfalls, manchmal erleichtert es durch die kleinere Bauform von Motor samt Schwungmasse das Digitalisieren und schafft teilweise sogar noch Platz für Speicherkondensatoren (sofern der Dekoder das überhaupt unterstützt).

Ich hoffe, das hilft Dir weiter...

Viele Grüße 8-)
Michael

Helmut
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Re: Schwungmasse bei Loks im Digitalbetrieb sinnvoll ?

Beitrag von Helmut » 29 Sep 2019, 19:43

Hallo,
ich dachte eigentlich, ich hätte schon geantwortet, aber das Posting habe ich offensichtlich wohl nicht abgesendet. Im Grunde habe ich genau das gleiche wie Michael geschrieben.

Mein Fazit war allerdings:
Schwungmasse bei schlechter Stromabnahme stört nie. Wenn die Lok allerdings analog gut langsam läuft, bringt eine Schwungmasse in meinen Augen nicht so viel. Hier kann man sich das Geld sparen. Dabei denke ich in erster Linie an 4- oder 6-achsige Streckenloks. Ich kenne übrigens einige Loks, die bei guter Stromaufnahme auch mit einem dreipoligen Motor sehr gut laufen. Sicherlich sieht man das Rastmoment bei extremer Langsamfahrt, aber wann fährt eine 103 Schritttempo?

Gruß aus KerpeN
Helmut

LAG-Isartalbahn
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Re: Schwungmasse bei Loks im Digitalbetrieb sinnvoll ?

Beitrag von LAG-Isartalbahn » 03 Okt 2019, 10:45

Hallo Michael und Helmut,
danke für eure Antworten.

Es ist mir schon Klar daß eine miese "Mechanik" erst verbessert werden muss und Digitaltechnik kein "all Heilmittel" ist, darum die Idee mit Umrüstung
auf Glockenanker-Motor.
Bei den Modellen die von mir ins Auge gefasst wurden handelt es sich um alte Exemplare aus den Anfängen meiner Modellbahn (20-30 Jahr alt).
OK es mag neuere, exaktere und schönere Nachfolger geben aber und !!! (Ihr wisst was ich sagen will).

Was mir aufgefallen ist es scheint keine Schwungmassen einzeln zu geben oder ich hab nur keinen Lieferanten gefunden?

Eine Sache würde mich noch Intressieren vielleicht könnt Ihr mir weiterhelfen.
Michael schreibt so schön, es kommt auf den Durchmesser der Schwungmasse an. Mir ist von alten meist 1 Zylindrigen Standmotoren eine Schwungmasse im Gedächtniss, die einen großen Durchmesser hatte aber im inneren Durchmesser relativ dünn und am äußeren Bereich dicker
(breiter) wurde ? Mit dieser Konstruktion müsste doch der gleiche (ähnliche) Effekt erzielt werden wie mit einer Scheibe mit durchgehend gleicher dicke?

Diese Schwungmasse müßte man vermutlich Auswuchten um nicht das Motorlager zu beschädigen.

Eine Anmerkung zur Digitalisierung:
Ich will S P I E L E N aber ein bisschen Komfor darf sein. Ich glaube laut euren Beiträgen, die ich bis jetzt gelesen habe (die immer "Sau-Gut" sind),
daß Digitalisierung kein Diskusionsgrund für uns ist. Frei nach einem Bayerischen Grunsatz "Leb´n und Leb´n lassen".

Schöne Grüße aus der Oktoberfest geschädigten Stadt

Eduard

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Re: Schwungmasse bei Loks im Digitalbetrieb sinnvoll ?

Beitrag von ClausS » 03 Okt 2019, 11:35

Hallo Eduard,

für die Fahreigenschaften in Bezug auf Geschwindigkeit und Anfahr- und Bremsverhalten im Digitalbetrieb hat eine Schwungmasse wenig Verbesserungspotential, meiner Meinung nach.

Allerdings hilft dir die Gewichtszunahme durch die Schwungmasse unter Umständen sehr bei der Zugkraft, da das spezifische Gewicht des Materials höher ist als das des Rahmens. Das hilft auch beim "Durchrutschen" durch stromlose Stellen, die manchmal durch Dreck verursacht wurden.

Bei mir tummeln sich auch einige Modelle aus meiner Gründerzeit, so um 1973-75, auf der Anlage, die durch die Digitalisierung eine weitere Jungen erfahren konnten. Manche sind aber auch durch Digitalisierung nicht zu retten, da müsste dann ein Umbau her, ich glaube bei einigen Händlern gibt es Umbausätze auf Faulhaber Motoren. Das Modell sollte aber den Ideellen Wert dafür haben, billiger ist manchmal der Erwerb eines neuen, bzw. zeitgemäß gestalteten Modells. Aber wer rechnet schon so beim schönsten Hobby der Welt?

Zu deiner anderen Frage kann ich leider nichts beisteuern.

LG Claus

Helmut
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Re: Schwungmasse bei Loks im Digitalbetrieb sinnvoll ?

Beitrag von Helmut » 03 Okt 2019, 12:09

Hallo,
ich habe vor Jahren mal eine alte BR103 mit einer Schwungmasse ausgestattet, aber leider weiß ich nicht mehr den Hersteller (Kleinserie). Kann es Eichhorn Modellbau gewesen sein, aber da finde ich nur einen Artikel in dieser Richtung?

Zur Frage der Wirksamkeit kann man sagen, dass sie umso größer ist, je mehr Energie in der Schwungmasse gespeichert ist. Dies hängt von der Masse und der Drehgeschwindigkeit ab. Dazu kommt noch, dass eine Masse sich schneller (und damit mehr Energie speichert) bewegen muss, wenn es einen größeren Abstand zur Drehachse hat. Folglich ist bei gleichem Gewicht ein Rad mit Speichen eine bessere Schwungmasse als eine Scheibe mit gleichem Durchmesser.

Gruß aus KerpeN
Helmut

MHAG
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Re: Schwungmasse bei Loks im Digitalbetrieb sinnvoll ?

Beitrag von MHAG » 04 Okt 2019, 00:02

Hallo Eduard,

es gibt/gab Schwungmassen, die wie eine Glocke über den Motor "gestülpt" werden. So erreicht man eine größere Masse auf einem größeren Durchmesser, damit lässt sich mehr Energie speichern. Wer die hergestellt hat, weiß ich leider nicht mehr, es könnte Teichmann gewesen sein (für H0), evtl. auch Glasmachers, der mit den doppelgängigen Schnecken.
Einzelne Schwungmassen gab es auch mal bei Fonfara, ich meine auch bei 1001digital welche gesehen zu haben. EDIT: Nein, habe jetzt nachgesucht, der hat nur Achsreduzierungen und Glockenankermotore
Eine "Uralt-Methode" von früher war, den (ausgebauten) Anker mit Blei auszugießen, was aber bei den aktuellen Motoren wahrscheinlich nicht mehr möglich ist.
EDIT: Habe mich erinnert, was ich mal in einer Modellbahnzeitung gelesen habe:
Jemand hat eine Schwungmasse eingebaut, die in einem eigenen Kugellager gelaufen ist, damit die Motorlager vor der Unwucht geschützt waren. Gegenüber dem Originalmotor war der neue deutlich kleiner, so dass Platz für die Schwungmasse samt einem Lager entstanden ist. Die Verbindung Motor - Schwungmasse erfolgte mit einem kurzen Stück Gummischlauch. So brauchte die selbstgebaute Schwungmasse nicht 100% gewuchtet zu sein...


Nochmal kurz zu digital: Da mein Bautempo so extrem langsam ist, hätte ich jetzt schon mindestens die dritte Digitalgeneration hier rumliegen, wenn ich mich jedesmal mit den Komponenten versorgt hätte. Deshalb habe ich mich für analog entschieden, das bleibt hoffentlich beständig ;)
Digital finde ich durchaus interessant, ist halt nichts für mich... Und für mein Anlagenkonzept müßte auf jeden Fall ein Computer "mitspielen" -- mag ich nicht :P Aber es ist schon toll, was man digital machen kann.
Schöne Grüße aus der Oktoberfest geschädigten Stadt
Ebenfalls viele solche Grüße 8-)
Michael

LAG-Isartalbahn
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Re: Schwungmasse bei Loks im Digitalbetrieb sinnvoll ?

Beitrag von LAG-Isartalbahn » 05 Okt 2019, 12:20

Hallo Michael,

Danke für deine Tips.
Inzwischen habe ich einen Lieferanten für Motoren und Schwungmassen gefunden , muß aber nochmal in Ruhe seine Seite lesen da sie in niederländisch und englisch geschrieben ist.

https://www.Tramfabriek.nl

Es gibt hier auch sehr kleine 12V Glockenanker-Motoren.

Ich werde meinen "Verbesserungsplan" nicht aus den Augen verlieren, aber im Moment stehen andere Dinge im Vordergrund.

schöne Grüße
Eduard

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