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Brückenschlag

Veröffentlicht von Peter (peter) am 03.11.2007
Tipps & Co >> Gebäudebau

Brückenschlag -

    oder wie biege ich eine Brücke um die Kurve ?

 
Es begann damit, das ich nur ein paar Gleise für einen Testkringel auf eine Platte nageln wollte um den Lokomotiven ab und zu etwas Auslauf zu gönnen.
 
Hmmmm ....... wieso eigentlich nur einen Testkringel ???
 
Eigentlich bist du ja blutiger Anfänger in der Bahnbaupraxis.
Wieso dann eigentlich nicht, bevor du dich auf ein grösseres Projekt stürzt und dabei vielleicht auf die Nase fällst, eine Mini-Anlage bauen, auf der man nach Lust und Laune alles mögliche ausprobieren kann.
Vom Unterbau über Geländebau bis zum Einschottern, Begrünen, ........ etc.
 
Und wenn dann was nicht klappt, ist wenigstens nicht soviel in den Sand gesetzt und man hat trotzdem wieder was dazugelernt.
 
 
Herausgekommen bei den ganzen Überlegungen ist dann dieser Gleisplan:
Ein einfacher Kreis mit Möglichkeiten zur Zugkreuzung und zum Rangieren.
 

Gleisplan Mini-Anlage

 
 
Wie jetzt unschwer auf dem Plan zu sehen ist, werden zwei Brücken zur Überquerung des Gewässerlaufes benötigt.
 
        Und da waren sie wieder, meine drei Probleme:
 
1. Die gesammte Anlage war, bis auf die Weichen, mit Flexgleisen geplant.
    Ergo gab es auch keine passenden Brückenbausätze, weil deren Kurvenradien natürlich auf die
    Radien der Industriegleise abgestimmt sind.
 
2. Die linke Brücke lag zudem noch in einer Steigung
 
3. Ausserdem entsprach keiner der Brückenbausätze meinen Vorstellungen.
 
 
Also war Eigenbau angesagt.
Da eine Minibohrmaschine mit einem Oberfräsen-Vorsatz vorhanden war, fiel die Materialentscheidung auf Sperrholz mit eingefrästen Mauerfugen.
Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Holzarten erwies sich Birkensperrholz in den Stärken 1mm und 2mm für am geeignesten für mein Vorhaben.
Das Holz ist hart, feinmasrig und ergibt ein sauberes Fräsbild.
 
Birkensperrholz ist auch unter der Bezeichnung Flugzeugsperrholz im Holzfachhandel und Modellbauläden erhältlich.
Aber Achtung - Es gibt gewaltige Preisunterschiede von bis zu 300% zwischen den Anbietern. Preisvergleiche lohnen sich also allemal.
 
 

Die Planung

 
Der Schalter für "Phantasie freien Lauf lassen" wurde umgelegt und einige Gedanken zu Papier gebracht, wieder verworfen und neugezeichnet.
Bis sich dann die "Die-isses" Brücke auf dem Blatt abzeichnete.
 
 
 
 
 
Jetzt noch eine 1:1 Zeichnung auf dem PC konstruiert, ein wenig mit Farbe herumgespielt und ausgedruckt und es konnte losgehen.
 
 
 
 
 
 

Zum Praktischen Teil:

 
Da die Brücke aus gleichmässig geformten "Steinen" gebaut werden sollte, erwies sich Freihandfräsen als unmöglich.
Also musste erstmal eine Vorrichtung gebaut werden, die es ermöglichte, die Fräse sauber und exakt zu führen, das Sperrholz zu fixieren, und den Ausdruck der Zeichnung so aufzunehmen, das man ihn als Schablone benutzen konnte.
 
........Voila !
 
 
Wichtig ist, das die Führungsschienen absolut parallel zur Unterkante der Grundplatte montiert werden. Nur so kann man mit Hilfe eines Anschlagwinkels den Ausdruck und die Sperrholzplatte exakt rechtwinklig positionieren und fixieren.
Dann nur noch den Ausdruck mit Kreppband auf die Grundplatte kleben, das Sperrholz an der untersten Linie, sprich Mauerfuge, des Ausdrucks ausrichten und mit den Klemmschrauben fixieren.
Jetzt kann man mit der Oberfräse sauber an der Führungsschiene anliegend die erste horizontale, durchgehende Mauerfuge einfräsen.
Danach die Klemmschrauben lösen, das Sperrholz auf die nächste Linie hochschieben und fixieren.
Usw, usw......
 
Wenn die horizontalen Fugen gefräst sind, werden Ausdruck und Sperrholz um 90° gedreht und das Spiel beginnt, diesmal mit verschärften Regeln, von vorne.
Jetzt kann man natürlich nicht mehr einfach mit der Fräse "durchziehen", sondern muss, je nach Läuferverband des Mauerwerks, Stein für Stein einzeln herausarbeiten.
 
Wer jetzt noch behauptet Modellbauer hätten keinen in der Mütze...... 
 
Achtung:
Bei asymetrischen Teilen muss der Ausdruck spiegelverkehrt erfolgen, da beim Fräsen die unterste Linie des Ausdruckes, der obersten Linie auf dem Sperrholz entspricht.
 
 
Grundsätzlich hat sich diese Konstruktion im Einsatz bestens bewehrt.
 
Im Laufe der Zeit zeigten sich jedoch einige Mängel.......
 
So hat sich das als Grundplatte verwendete Fichtenleimholz mittlerweile etwas verzogen, was sich in unterschiedlich tiefen Fräsnuten äussert. Für Natursteinmauern gar nicht mal so übel, aber für Ziegelsteinmauern untragbar.
Deshalb wird die Leimholzplatte demnächst durch eine Multiplex-Platte ersetzt.
Als zuwenig erwiesen haben sich die drei Gewindebohrungen in den Führungsschienen zum Fixieren der Sperrholzplatten. Da müssen noch ein paar mehr rein.
Und zu guter letzt hat sich mein Rücken zu Wort gemeldet und fordert vehemmet, das die ganze Konstruktion pultartig um ca. 30° schräg gestellt wird.
Diesem Wunsch wird selbstverständlich Rechnung getragen.
 
 
Ist das Fräsen abgeschlossen wird das Teil an den äusseren Konturen entlang mit Dekupier- oder Laubsäge ausgesägt.
 
 
 Und so sieht's dann aus der Nähe aus.
 
 

 

Das gegenüberliegende Seitenteil wird dann nach dem gleichen Strickmuster angefertigt, wobei natürlich darauf zu achten ist, das sich je nachdem ob es sich um das Kurveninnere oder -äussere Seitenteil handelt, dieses kürzer oder länger sein muss.
Die Durchlässe bleiben bei beiden Teilen, wie beim Vorbild gleich, so das sich die beiden Brückenteile nur in der Breite der Pfeiler unterscheiden.

Die Seitenteile werden dann seitlich an ein, dem Gleisverlauf angepasstes, 10mm starkes Trassenbrett geleimt und bis zum Abbinden des Holzleimes mit Zwingen gesichert.
Dabei ist darauf zu achten, das die Seitenteile rechtwinklig zum Trassenbrett und parallel zu einander stehen.

 
Als nächstes ging's an die Gewölbebögen.
Als Material fand 0,5mm Furnierholz Verwendung. Das gab's für gute Worte als Abfallstückchen vom ortsansässigen Schreiner
Einfach ein Stück Furnier grob zuschneiden und den Bereich der gebogen werden soll gut anfeuchten.
Fünf Minuten warten, dann um ein Rohr mit passendem Durchmesser biegen und bis zum Trocknen mit Klebezwingen sichern.
 
 
Nach dem Trocken werden die Bögen in die Brücke eingeklebt und an diese mit scharfen Messern und Schleifpapier angeglichen.
 
So langsam kann man erkennen was es werden soll......
 
 
 
Die jetzt noch fehlenden Innenmauern wurden wieder genauso gefräst und oberhalb des Trassenbrettes in die Brücke eingeklebt.
 
 
Die Steinbögen über den Gewölben wurden.........nein, diesmal nicht gefräst. 
Die Ausdrucke der Bögen wurden mit Foto- oder Rubbelkleber auf ein Stück 1mm Sperrholz aufgeklebt und entsprechend ausgesägt.
 
Dieser Kleber lässt sich, wichtig für das spätere Bemalen, einfach durch Rubbeln mit dem Finger wieder restlos entfernen. Erhältlich ist dieser Kleber in Fotogeschäften.
 
Die einzelnen Steine dann mit einem scharfen Messer entsprechend dem Ausdruck einfach eingekerbt.
 
Dann noch die Gesimse, die ebenfalls gefräst wurden. Wegen der Optik, diesmal mit einem Kugelfräser um eine Hohlkehle zu erreichen.
Die Abschlussplatten auf und zwischen den Zinnen entstanden wiederum aus dem besagtem 0,5mm Furnier.
 
Aufgeklebt auf die Brücke sieht's dann so aus.......
 
 
 
Für die Farbgebung machte ich mir aus Reststücken ein paar Farbmuster mit verschiedenen Maltechniken und Farbtönen.
 
 
 
Folgendes Verfahren kristallisierte sich dabei für mich praktikabelsten heraus:
Als Farben verwendete ich Wasserfarben aus der Tube.
Zuerst erhielt die komplette Brücke eine Grundanstrich mit wässrigem Schwarz.
Nach dem Trocknen (mind.24 std.) habe ich mir die passenden Farben angemischt und mit fast trockenem Pinsel aufgetragen.
Trockener Pinsel deshalb, damit die Farbe nicht in die Fugen läuft.
Nach dem Grundauftrag wurde der Farbton noch einige Male leicht verändert und nur noch stellenweise, mit noch trockenerem Pinsel "aufgehaucht".
 
Und das ist dann am Schluss dabei herausgekommen......
 
 
 
 
Der Bau der zweiten Brücke erfolgte auf die gleiche Art und Weise, so das ich mir hier weitere Erläuterungen sparen kann.
Die Vorgehensweise ist, wenn auch in anderer Formgebung der Brücke, die Gleiche.
Der geneigte Modellbauer wird anhand des Bildes wissen was zu tun ist.
 
 
 
 
Und so sehen die Brücken in der sich noch im Rohbau befindlichen Anlage aus......
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zum Material und Werkzeug:
 
Verwendet wurde:
1mm Birkensperrholz            für Gewölbesteinbögen, Gesimse und Innenmauern
2mm Birkensperrholz            für die Brückenteile
0,5mm Furnier                    für Abschlussplatten und Gewölbebögen
10mm Pappelsperrholz          für das Trassenbrett
 
Werkzeuge:
Oberfräsen-Vorsatz für Minibohrmaschine eines bekannten Herstellers
60° V-Nut Fräser                für die Mauerfugen
90° V-Nut Fräser                um die Aussenkanten der zweiten Brücke auf Gehrung zu fräsen
Kugelfräser                        für die Gesimse zwecks besserer Optik
 
ansonsten Werkzeuge das sowieso jeder Modellbahner sein eigen nennt
Scharfe Messer
Balsa-Hobel
Laubsäge
Leimzwingen in verschiedenen Grössen
Schlüsselfeilen
Schleifschwamm fein
usw, usw.....
 
Geklebt wurde mit Holzleim, UHU-Hart, Sekundenkleber und Rubbelkleber
 
 
 
 
 
    Bleibt mir nur noch übrig......
 
            Viel Spass beim Lesen und Nachbauen
 
 
 

Zuletzt geändert am: 03.11.2007 um 19:13

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Kommentare

klappt doch :-) von Helmut am 14.10.2007 um 16:07
Peter, sieht doch richtig gut aus.
Super Bericht! von Gast am 06.11.2007 um 13:33
Hallo Peter,
der Bericht ist Dir wirklich sehr gut gelungen. Da möchte man sich am liebsten glech hinsetzen und loslegen...
Klasse, weiter so!
Viele Grüße
Claus
Prima! von Gast am 08.11.2007 um 18:43
Endlich Zeit gehabt, den Bericht in Ruhe zu lesen. Einfach nur saugut!

Servus,
Wolfgang

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